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Es verwundern, wenn ein indisch-stämmiger DJ zwei Jahrzehnte nach Afrika Bambataa die Titelmelodie der TV-Serie „Knight Rider“ mit Folkmusik aus dem indischen Subkontinent mischt. Aber hatte auch jemand damit gerechnet, dass Millionen westlicher Popfans plötzlich zu Pandschab-Lyrics tanzen würden? Ein von indischen Geigen und Trommeln geprägter HipHop-Titel wie „Mundian To Bach Ke“ weit über die Clubszene hinaus zur Partyhymne avancieren würde? Selbst Panjabi MC wurde von der Erfolgsgeschichte seines Crossover-Hits überrollt. Dann entschloss sich 2002 das deutsche Label Superstar Recordings, die unwiderstehlich treibende Nummer zu lizensieren und mit entsprechendem Video zu vermarkten. 100 000 verkaufte Singles in nur zwei Tagen: Der Überraschungscoup in Deutschland zog Erfolge in ganz Europa und England nach sich. Rajinder Rai, so sein bürgerlicher Name, hatte es als erster Bhangra-Musiker den Sprung aus dem britisch-asiatischen Untergrund geschafft: Majorvertrag, internationaler Vertrieb , Interview-Tourneen durch die halbe Welt. Mit dem Geld, das eigentlich für sein Universitätsstudium gedacht war, kaufte der 1971 geborene Einwanderersohn sich einen Sampler und begann eigene Loops zu basteln. In den frühen 90er Jahren tauften ihn seine schwarzen DJ Kollegen kurzerhand Panjabi MC – Als Rai in der Folge begann, Bhangra mit HipHop auf Platte zu fusionieren, trug er die traditionelle Panjabi-Musik zum ersten mal über die Grenzen der eigenen Community hinaus, aus den Hinterzimmern indischer Lokale in die urbanen Clubs. Damals zumindest ein mutiger Schritt: Panjabi MCs erste Plattenveröffentlichung „Rootz“ musste er wegen eines fahrlässig gesampleten religiösen Liedes wieder vom Markt nehmen. Er hatte sich vom Rappen immer mehr auf das Produzieren verlegt und über Bhangra-Labels wie Nachural neun Alben und zahlreiche 12-inches und EPs veröffentlicht.Die meisten Tracks von „Panjabi MC – The Album„ stammen aus früheren, lange vergriffenen Veröffentlichungen oder sind eigens angefertigte Remixe. Oft waren bereits die zugrundeliegenden Originale Hits. So etwa im Falle von „Challa“, einer Erfolgsnummer des populären indischen Sängers und Schauspielers Gurdaas Maan. „Ich benutze Bhangra“ so Panjabi MC, „als Ausgangsmaterial für HipHop. Meine Musik basiert auf dem Gebrauch von Plattenspielern und Samples. Der Crossover-Erfolg war nur noch eine Frage der Zeit. Schließlich konnte der 1998 erschienene Nachfolger „Legalized“ bereits im englischen Mainstream-Radio gehört werden. Selbst amerikanische HipHop-Produzenten wie Timbaland klopften plötzlich bei ihren Bhangra-Kollegen an die Studiotür - und hatten wohl keine Mühe, Jay Z zu einem „Beware Of The Boys“ Rap über „Mundian To Bach Ke“ zu bewegen.Hatte HipHop aus Großbritannien immer das Kleine-Bruder-Problem, schien Bhangra der Entwicklung des nordamerikanischen Rap plötzlich einen Schritt voraus: Rhythmisch komplexer. Produktionstechnisch frischer. Und von jeder Menge Pioniergeist beseelt. Mit seinem neuen Album wird Panjabi MC den Klängen Indiens wohl endgültig zum Durchbruch auf dem westlichen Popmarkt verhelfen. Und uns ganz nebenbei ein paar Party-Anheizer auf Panjabi lehren: 2003 heißt es nicht mehr „Yo!“, sondern „Balle balle“ und „Hey aripa!“ Solange die Energie stimmt.
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